Geschichtskoffer – Jüdische Kindheit im 20. Jahrhundert

Eine Zeitreise in die Vergangenheit – Geschichte zum Be-Greifen

Wie lebten jüdische Kinder vor 1933? Und wie veränderte sich ihr Leben nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten? Wer über dieses Thema mit Kindern sprechen will, muss sich zugleich die Frage stellen, wie viel Geschichte er ihnen zumuten kann.

Der Geschichtsort Villa ten Hompel versucht hier einen sowohl historisch vertretbaren als auch kindgerechten Weg aufzuzeigen: Dazu wurde von der Grundschullehrerin Vera Hanfland und dem Team des Geschichtsortes Villa ten Hompel ein so genannter „Geschichtskoffer“ entwickelt, der bei den Erfahrungen einer kindlichen Lebenswelt ansetzt. Er gilt als besonders geeignet für die Primarstufe und jüngere Jahrgänge in der Sek I. Über die Identifikation mit etwa Gleichaltrigen im geschichtlichen Kontext können sich Schülerinnen und Schüler heute mitfühlend und reflektierend mit den Lebensbedingungen jüdischer Kinder und nach 1933 sowie nach dem Krieg auseinandersetzen. Dabei geht es um Entrechtung, Untertauchen, Deportation und das (Über-)leben im KZ.

 

Der Geschichtskoffer als mobiles Museum

Der Geschichtskoffer lädt zu einer Zeitreise in ein bedrückendes Kapitel der deutschen Geschichte ein. Aber: Das Klassenzimmer und damit der Ort, an dem diese Zeitreise stattfindet, ist vertraut. Ein weiterer Vorteil gegenüber einem Museumsbesuch liegt darin, dass die Schülerinnen und Schüler die „Reiseutensilien“ ganz nach ihren individuellen Voraussetzungen und Bedürfnissen entdecken, einsetzen bzw. auch auf sie verzichten können.

U.a. hält der Koffer jüdische Kultgegenstände und historisches Spielzeug bereit. Außerdem befinden sich in ihm ein Stadtplan aus der NS-Zeit, auf dem die damaligen „Judenhäuser“ verzeichnet sind, und nicht zuletzt die Erinnerungen einer in Münster geborenen Jüdin an ihre Kindheit. Diese alltags- und regionalgeschichtliche Ausrichtung schafft eine gute Voraussetzung dafür, dass die Schülerinnen und Schüler ihre Lernerfahrungen mit ihrer Lebenswirklichkeit verbinden können.

Ausgehend von diesen Quellen können sie außerdem auf Spurensuche in ihrer persönlichen Umgebung gehen. So können sie Geschichte gemeinsam erfahren und erforschen.

 

Was ist im Koffer?

  • Autobiografische Texte
  • Fotoalbum
  • Spielzeug
  • Gedichte
  • Reproduktionen von Kunstwerken
  • Jüdische Kultgegenstände
  • Dokumente mit Beispielen für Ausgrenzung in der NS-Zeit, etwa ein Erlass zum Verbot, Badeanstalten zu benutzen
  • Sekundärliteratur und Kinderbücher
  • Didaktische Handreichung mit Sachinformationen und methodischen Anregungen für die Lehrperson

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Die Leihbedingungen

Der Geschichtskoffer kann für die Dauer der gesamten Unterrichtsvorbereitung und -durchführung (max. ca. 4 Wochen) im Geschichtsort Villa ten Hompel entliehen werden.

Die Ausleihe des Geschichtskoffers ist problemlos bei Selbstabholung mit Pkw in Münster möglich, andernfalls muss der Transport auf eigene Bestellung und Rechnung erfolgen. Als Kostenbeitrag für die Ausleihe werden 25 Euro erbeten, die in eine Rücklage für Ersatzanschaffungen und Erweiterungen des historischen Koffer-Sortiments fließen. Als Pfand hinterlegen Entleiher bitte einen Betrag von 50 Euro, der bei fristgerechter Rückgabe des (vollständigen) Koffers erstattet wird. Sollten Gegenstände fehlen oder stark beschädigt sein, müssen sie von den Leihnehmern ersetzt werden. Damit es gar nicht so weit kommt, bitten wir Sie und Ihre Schülerinnen und Schüler, sorgsam mit dem Koffer und seinem Inhalt umzugehen. Danke!

 

Das Projekt „Geschichtskoffer“ wird ebenfalls durch die Landeszentrale für politische Bildung Nordrhein-Westfalen gefördert.

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